Schulhündin Lia
Lia...
Schuljahr 2014/2015: Lia wird nun seid mehr als vier Jahren in meinen Klassen an einem Münchner Stadt Förderzentrum (Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung) eingesetzt. Gestartet hatte ich mit der Klasse 5/6 im Schuljahr 2010/2011. Im Rückblick sicherlich das beste Alter um einen Hund bei Kindern mit einem E- Förderbedarf einzusetzen. Sie waren ein Traumteam gemeinsam. Die Jugendlichen steuerten ihr Verhalten nur noch für Lia. Wutausbrüche, Streitereien, und alles was einen E- Alltag mit sich bringt, fand ausschließlich VOR der Klassenzimmertür statt. Oft war ich selbst baff, dass sich wirklich alle 10 Kinder so sehr für Lia bemühten sich an die "LIA REGELN" zu halten. (in der Mittelstufe: Lia kann bei uns sein, wenn es im Klassenzimmer ruhig ist, keine körperlichen Auseinandersetzungen vor ihr Stattfinden, keine Dinge durch das Zimmer fliegen, die sie verletzen könnten - so waren sie natürlich nicht für die Kinder formuliert ;) ) Nur bei Einhaltung war Lia am nächsten Tag anwesend. Ab Mitte der 6.Klasse "musste" ich Lia JEDEN Tag dabei habe, weil die Klasse keinerlei Probleme mehr hatte, sich an diese Regeln zu halten. Ein krönender Abschluß dieser Zeit war eine anspruchsvolle, mehrtägige Bergtour natürlich mit Lia.
Im Schuljahr 2013/2014 übernahm ich dann eine erste Klasse. Hier wurden mir sehr schnell die Grenzen des Einsatzes von Lia wieder vor Augen geführt. Der Unterschied war zu Beginn enorm: Natürlich konnten sich die Kinder in keinster Weise an die Regeln für Lia halten. Hauptsächlich der ständige Lärmpegel, durch das Gewusel der Kinder, machte mir und Lia zu schaffen. So war sie sicherlich im ersten Halbjahr nur gefühlte fünf Tage anwesend. Aber natürlich machten auch diese Kinder große Fortschritte und inzwischen kann man sagen, dass Lia im Schnitt drei Tage die Woche anwesend sein kann. Selbststeuerung in diesem Alter ist einfach noch nicht so möglich, wie ich es aus der Mittelstufe kannte.
Ich kann allen, die einen Hund bei Kindern mit E Bedarf einsetzen wollen nur empfehlen (auch hier gibt es Unterschiede- sicherlich ist eine Großstadt Schule mit anderem Verhalten konfrontiert als eine Landschule mit E Kindern) erst einmal selbst einige Jahre Fuss zu fassen als Lehrkraft, bevor ich den Hund gefährdenden Situationen aussetze. Denn diese Situationen werden dir definitiv im E Alltag begegnen und hier musst du fähig sein schnelle Entscheidungen zu treffen wie du deinen Hund schützen kannst. Auch dann muss ich leider in diesem Bereich feststellen, dass jede Klasse anders ist und sich eben nicht alle Kinder und Klassenzusammensetzungen eignen, den Hund sinnvoll im täglichen Bereich einzusetzen. (Anders ist es natürlich wenn ihr die Möglichkeit habt ihn stundenweise zur Lernförderung etc einzusetzen.) Definitiv lässt sich sagen- lasst euren Hund vorher im setting, in dem ihr ihn einsetzen wollt, von einer Fachkundigen Person anschauen. Ich glaube nicht jeder Hund auch die "sogeschimpft" geprüften Therapiehunde möchten diesen Job täglich machen. Hier geht es mir definitiv um den Schutz des HUNDES! Den Kindern wird nichts passieren, sofern du dich mit den Schulhundstandards auseinander gesetzt hast. Meine große Angst ist es, dass eines Tages etwas passiert- und wir deswegen ALLE unsere Hunde eben nicht mehr einsetzen dürfen, da die Regierungen dies dann einfach als zu gefährlich einschätzen. Daher bitte überlegt in welchem Setting, mit welchem Hund v.a. und mit welcher Klasse und in welchem Alter ihr euren Hund im E- Bereich einsetzen wollt. Gerne könnt ihr euch an mich wenden und sofern es möglich ist werde ich euch helfen.
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Im Schuljahr 2010/2011 konnte ich Lia nun regelmäßig in der Einzelförderung oder in Kleingruppen(von der 1.-9.Klasse) einsetzen. Die Kinder und Jugendlichen waren begeistert und kamen alle sehr gerne zu Lia!
Dieses Schuljahr (2011/2012) wird Lia endlich wieder als Klassenhund eingesetzt werden in einer 5.Klasse. Die Hundehütte im Klassenzimmer steht und die Kinder warten gespannt jeden Tag wann es soweit sein wird... Nächste Woche werden die Kinder Lia kennen lernen. (Ich werde Euch berichten...)
November 2009
Seit meinem Artikel hat sich viel getan... Mein Referendariat ist beendet und ich habe eine Stelle an einer privaten Erziehungshilfeschule in München angenommen. Dort bin ich Klassenlehrerin einer 7. Klasse.
Meine 8 Jungs sind zur Zeit leider noch nicht bereit für Lia. Oder sagen wir besser ich. (Sie selbst sind begeistert von meiner Idee, Lia eines Tages tatsächlich mitzubringen.) Ich bin es, die Bedenken hat. Zum einen sind es sicherlich die vielfältigen Aufgaben als Berufsanfänger, die mich jeden Tag fordern und ich mir nicht sicher sein kann genug Aufmerksamkeit für Lia, also ein 9.Kind, zu haben. Zum anderen habe ich, selbst wenn ich es zuvor nie zugegeben habe, einfach noch keine Sicherheit, dass die Jungs in der Gruppe Lia nicht "verschrecken". Einzeln würde ich jedem vertrauen. Nicht selten fliegen Tische und Stühle durch das Zimmer und da ist meine Angst nicht ganz unbegründet, dass sie im schlimmsten Fall einen Schock fürs Leben bekommen könnte.
Ich hoffe hier bald neues berichten zu können, denn meine Schulleitung scheint an meiner Idee Gefallen zu haben, meine Jungs in der Theorie auch, ich sowieso und von Lia muss ich wohl nicht schrieben....
Kommt Zeit kommt Rat...
Geli
Da ich noch im Referendariat bin, war es mir bisher nur möglich Lia in Form einer AG in der Ganztages Förderschule (Albert Schweitzer Schule III) “einzuführen”. Seit Beginn des Schuljahres 2008/2009 ist Lia einmal die Woche mit Freude bei den Kindern.
Die Schulleitung war direkt begeistert von meiner Idee und auch das Kollegium hatte nichts einzuwenden. Schnell waren 5 Kinder der Unterstufe gefunden, die mit Begeisterung an der Lia AG teilnehmen.
Die Kinder lernen viel über den Hund: Wir hatten die Suchhundestaffel zu Gast, von einem blinden Mann mit seinem Blindenführhund Besuch und haben das Freiburger Tierheim (aus dem Lia stammt) besichtigen dürfen. Wir haben eine besondere Führung bekommen, bei der wir auch unsere selbstgebackenen Hundekekse zum Erlös des Tierheims verkaufen konnten.
Die Kinder lernen aber auch etwas Hunde-Theorie: die Sprache der Hunde, der Körperbau des Hundes, die Sinne, die Abstammung etc.
Vor allem geht es aber in unserer AG darum Zeit mit Lia zu verbringen, in der die Stadtkinder einmal wirklich im Mittelpunkt des Interesses stehen: Sie dürfen ein Lebewesen kennen lernen, gemeinsam kuscheln, toben, spielen, vor allem Spaß haben und dabei wertfrei anerkannt und vor allem geliebt zu werden.
Bereits 45min vor der AG Zeit warten die Kinder auf Lia und mich und können nicht erwarten dass es los geht. Inzwischen komme ich immer früher und wir haben folgenden ritualisierten Ablauf:
Gemeinsames Fußballspielen auf dem Fußballplatz: Ihr müsst wissen, Lia ist eine perfekte Fußballspielerin. Egal ob Abwehr, Sturm oder Mittelfeld- sie bekommt jeden Ball, weil sie einfach unheimlich schnell ist und keine Furcht vor dem Ball und rennenden, kreischenden Kindern hat. Je mehr Kinder mit ihr mit rennen, desto mehr Freude scheint sie daran zu haben. Von alleine hört keiner auf. Oft muss ich dann meinem ausgepowerten Hund nach einer halben Stunde eine Pause gönnen. (Die Kinder brauchen sie dann aber auch - und ich erst :) )
Seit einigen Wochen mache ich anschließend mit Lia und einem Kind der AG- Gruppe eine 20 minütige Einzelförderung. In dieser Zeit darf das Kind selbst bestimmen was es machen möchte. Tricks einüben, kuscheln, spielen etc. Das Kind steht also absolut alleine im Mittelpunkt und Lia ist in dieser Zeit wirklich von keinem anderen Kind ablenkbar.
Einige meiner Kinder brauchen diese Zeit dringend:
Ich habe z.B. einen Schüler, der sehr zurückhaltend wirkt. So hat es sehr lange gedauert, bis er zum ersten Mal Lia einen Befehl geben konnte. Selbst die Sichtzeichen fielen ihm schwer. Inzwischen ist er immer sicherer. Das zeigt sich z.B. darin, dass er für Lia Verantwortung übernimmt, sie also vor anderen Kindern in Schutz nimmt, die Kinder aufklärt wie man Lia richtig begegnet, sie streichelt, mit ihr spielt, etc. Vor einiger Zeit wäre dies noch unvorstellbar gewesen.
Ein anderer Schüler hat ADHS. Mit Lia konnte er sich den anderen Kindern das erste Mal von einer anderen Seite zeigen. In Lias Gegenwart ist er sehr emotional, kuschelbedürftig und fordert ihre Aufmerksamkeit stets ein. (Lia liebt seine Aktivität und hängt deshalb aber auch andauernd bei ihm.
“Action Lady liebt actionreiche Kids.“ Da kann ich machen was ich will.)
Mit Lia zusammen schafft er es aber auch ruhig zu werden und z.B. 20 Min auf dem Boden zu liegen, dabei Lia zu kraulen, sich ohne Ende abschlecken zu lassen und dabei kein Wort zu sprechen. (Keine Angst danach wird gleich mit Seife alles gewaschen.)
Er genießt diese Extra Zuwendung von Lia und fordert sie sich ein.
Soviel erst einmal zu unserer Arbeit. Im Sommer 2009 werden wir am Sommerfest eine Lia Show vorführen. Hierfür trainieren wir gerade viele Tricks ein. (Ich bin gespannt was Lia macht, wenn plötzlich viele Zuschauer dabei sind… )
Lia ist eine rassische Spanierin von der Straße. Im September 2007 war es Liebe auf den ersten Blick, als ich sie im Freiburger Tierheim entdeckte. Knapp ein Jahr war sie damals alt.
Mir war es besonders wichtig, dass sie im Umgang mit Kindern absolut frei von Ängsten war. Ein Bekannter (Leiter der Freiburger Suchhundestaffel), arbeitet in einem Kinderhort und hat auch dort seine Hunde im Einsatz. So war also Generalprobe unter geschulten Blicken im Hort angesagt. Sie meisterte alles super- verhielt sich vorbildlich- nicht ängstlich aber auch nicht dreist, spielte sofort mit den Kindern und ließ sich den Bauch kraulen. Da war es um mich geschehen und es war klar-die muß es sein……
Zu mir....
Seit 2006 beschäftige ich mit dem Bereich HuPäSch. Das Interesse war damals sehr präsent, weil meine letzte Hündin bereits einige “Schulbesuchs-Einsätze” toll gemeistert hatte und ich im Zusammenhang mit meiner Zulassungsarbeit zum 1.Staatsexamen mich nun auch wissenschaftlich mit dem Thema auseinander setzen wollte. (Lara war eine ganz tolle Hündin. Leider ist sie im Sommer 2007 nach 13 Jahren Treue verstorben.) 2007 wurde ich dann auch Mitglied des AK Schulhund in der Freiburger Gegend und war auf dem Mensch-Tier Kongress in Berlin, bei dem ich auch Lydia endlich kennen lernen konnte. Seither lässt mich das Thema nicht mehr los und ich bin froh besonders über den AK so viele Hundebegeisterte Lehrerinnen gefunden zu haben, mit deren Austausch Vieles einfacher gelingt.