Freie Interaktion

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Es gibt vielfältige Möglichkeiten, um mit dem Hund in der Schule tiergestützt zu arbeiten. Die Praxis ist natürlich von den individuellen Bedingungen in der Schule und den Voraussetzungen bei den Schülern, dem Lehrer und dem Hund abhängig.

In der ersten Zeit findet zwischen dem Hund und den Schülern in der Regel überwiegend eine freie Interaktion statt. D. h. häufig kann der Hund frei in der Klasse agieren und Kontakt zu Schülern aufnehmen. Dies trifft auch im weiteren schulischen Rahmen zu.

Hier sollen einige Förderbereiche herausgegriffen werden, in denen durch den Schulhund ohne großes Einwirken des Lehrers Fortschritte erzielt werden können. Die Ergebnisse decken sich mit den Veröffentlichungen von Bernd Retzlaff und Brita Ortbauer bei denen die Schulhunde ebenfalls frei agierten.



Wahrnehmung

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Ohne dass Schüler dazu aufgefordert werden müssen, strecken die meisten im Vorbeigehen die Hand nach dem Hund aus, um ihn zu berühren und zu streichen. Er animiert also dazu, die Taktile Wahrnehmung zu schulen, auch wenn der Schulhund noch nicht gezielt eingesetzt wird. Durch sein Auftreten lenkt er die Aufmerksamkeit fast aller Schüler auf sich und sie beobachten den Hund viel genauer und ausgiebiger als ihre Mitmenschen. Auch eine Schulung der Visuellen Wahrnehmung erfolgt also fast automatisch und vor allem mit einer hohen Motivation.


Emotionalität/Sozialverhalten

Besonders im Sozialverhalten zeigen sich von Anfang an gravierende Änderungen. Der Hund schafft durch seine Anwesenheit eine besondere Atmosphäre. Fast alle Schüler sind durchgängig bemüht Rücksicht auf ihn zu nehmen. Diese Rücksicht ist gegenüber Mitschülern und Lehrern durchaus nicht selbstverständlich.
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Die Einhaltung von Regeln, die zur Sicherheit des Hundes aufgestellt werden, werden nicht diskutiert oder nicht eingehalten. Schüler achten gegenseitig darauf, dass dies immer geschieht; ein Eingreifen des Lehrers ist in der Regel nicht nötig! Viele Schüler haben auch nach Jahren noch das Bedürfnis den Hund im Vorbeigehen zu streicheln. Bereits die kleinen Schüler wissen aber, dass nicht alle gleichzeitig ihn streicheln dürfen und bemühen sich diese Regel einzuhalten, auch wenn es schwer fällt.

Der Kontakt zum Hund ist besonders für ausgegrenzte Schüler sehr aufbauend. Auch wenn es ihnen sehr schwer fällt auf Mitschüler auf adäquate Weise zuzugehen, ist ihr Kontaktverhalten zum Hund bestimmt durch Rücksichtnahme und Zuwendung. Einige Schüler gehen auf Grund der neuen Klassensituation mit dem Hund wieder lieber zur Schule, da der Hund die Atmosphäre an der Schule positv beeinflusst.

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Vor allem hat der Hund ein viel besseres Gespür für die Stimmungen und Nöte der einzelnen Schüler, die an jeder Schule häufig im Alltagsgeschehen vernachlässigt werden. Ein Hund spürt sehr schnell welcher Schüler oder welche Schülerin ihre Zuwendung am nötigsten braucht und handelt entsprechend. Neue Schüler werden viel schneller in die Klassengemeinschaft integriert, da der Hund sich am Anfang sehr intensiv um jeden neuen Schüler kümmert und es so auch schneller zu Kontakten zu den anderen Schülern kommt.

Durch den Körperkontakt zum Hund werden Ängste und Unsicherheiten des neuen Schülers quasi „weggestreichelt“. Er kann sich entspannen und unverkrampfter dem Neuen begegnen. Konflikte werden vermieden und durch die Zuwendung des Hundes baut sich mehr Selbstwertgefühl bei Schülern auf und sie erhalten Stabilität und Selbstsicherheit. Die Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz gegenüber dem Hund ist deutlich erhöht.


Lern- und Arbeitsverhalten

Nach Jahren mit dem Hund in einer Klasse, mit zum Teil wechselnder Schülerschaft, kann nicht mehr genau herauskristallisiert werden, welche Bereiche durch den Hund positiv beeinflusst werden. Auf jeden Fall gibt es keine einzige negative Beeinflussung durch den Hund. Den Bereich Sorgfalt und Ordnung beeinflusst er aber auf jeden Fall positiv. Schultaschen sind verschlossen, es liegen keine Essensreste, Heftzwecken, Scherben o. ä. in der Klasse herum, denn jeder weiß, dass einige Dinge für den Hund gefährlich sein können.

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Auch den Arbeitsbeginn und -verlauf beeinflusst ein Hund bei einigen Schülern auf jeden Fall, indem er zeitweise neben ihnen steht, sitzt oder liegt und sie sich durch das Streicheln des Hundes entspannen.

Auch die Bereiche Aufmerksamkeit, Selbständigkeit und Lern- undAnstrengungsbereitschaft beeinflusst der Hund bei einigen Schülern positiv . Er bietet Abwechslung und Entspannung im normalen Schulalltag und mobilisiert dadurch Kräfte für die oben genannten Bereiche .


Motorik

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Das ständige Streicheln des Hundes an verschiedenen Stellen des Körpers übt natürlich sowohl die Grobmotorik als auch die Feinmotorik. Der Hund zeigt dabei durch seine spontane Reaktion sofort, ob die Berührung des Schülers angemessen ist und begrüßt wird.

Das Bürsten des Hundes z. B. bedarf einer Handlungsplanung u. –steuerung und wird von den Schülern niemals als Arbeit sondern immer als Belohnung angesehen.


Kognition

Erstaunlich ist, welche Leistungen auch schwache Schüler erbringen können, wenn sie motiviert sind. Der Schulhund stellt immer wieder eine hohe Motivation dar und dadurch geling die Speicherung im Kurzzeit-Langzeitgedächtnis erstaunlich gut. Durch ein Training und Erfolgserlebnisse überträgt sich dies auf Dauer auch auf andere Lernbereiche.

Logisches Denken, Problemlösestrategien entwickeln und die Planung von Handlungen werden durch das real anwesende Tier und sein Handeln gut angeregt und die Folgen sind für die Schüler auch deutlich erkennbar.


Deutsch

Besonders im Fach Deutsch erzielt ein Schulhund nur durch seine Anwesenheit erstaunliche Erfolge. Besonders zu Beginn ist die Gesprächsbereitschaft fast aller Schüler durch den Hund stark erhöht. Es gibt viele Fragen zu klären, Dinge zu berichten und Regeln aufzustellen.

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Die Sprechfähigkeit und der Mündliche Ausdruck wurden dadurch natürlich gut trainiert. Viele Schüler kommunizieren aber auch leise mit dem Hund, der ihnen gespannt zuhört und ihnen vermittelt, dass ihre verbalen Äußerungen wichtig sind.

Lesen und Schreiben erhalten einen anderen Sinn, wenn es um ein lebendes Wesen geht, das gut versorgt werden soll und über das man deshalb viel in Erfahrung bringen muss. Die Bereiche Schriftlicher Ausdruck und Sprachlehre werden so natürlich sehr gut gefördert. Interessant ist, dass in einer Untersuchung festgestellt wurde, dass sich die Lesefähigkeit von Schülern massiv erhöht, wenn sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig einem Hund vorlesen.