Forschungsergebnisse
Forschungsergebnisse zum Hund
zusammengefasst nach dem Buch von Alwin Schönberger „Die einzigartige Intelligenz der Hunde“ von 2006. Eine gute umfassendere Zusammenfassung von ihm selbst gibt es unter http://profil.at/articles/0643/560/155191.shtml
Ergebnisse der Genetik
Die starke Selektion des Hundes hinsichtlich des Verhaltens während der Domestikation hat sich in genetischen Veränderungen niedergeschlagen. Danach könnten Hunde bereits vor 135 000 Jahren entstanden sein. Untersuchungen mitochondrialer DNA von Hunden der ganzen Welt ergab, dass 96% aller heutigen Hunde wahrscheinlich von einer Familie abstammen.
Berechnungen der genetischen Distanz ergaben ein Alter von rund 41 000 Jahren. Der Ursprung des Haushundes lag wahrscheinlich vor rund 15 000 Jahren in Ostasien obwohl bisher die Mehrzahl aller Skelettfragmente aus Europa sowie Eurasien stammen.
Auch Dingos stammen ursprünglich aus Ostasien und erreichten Australien scheinbar vor ca. 5 000 Jahren. Es gibt starke Beweise, dass sie von wenigen domestizierten Hunden abstammen.
In Nordamerika lebten nach Funden schon vor ca. 10 000 Jahren Hunde. Sie haben ihren Ursprung in der alten Welt und sind wahrscheinlich vor 12 000 bis 14 000 Jahren über die Behringstraße eingewandert, was auf ein höheres Alter als 15 000 Jahre schließen lässt.
Genetische Muster im Hypothalamus der Wölfe und Kojoten sind starr im Gegensatz zu denen der Hunde, wo die Domestikation mittlerweile nachgewiesen Abweichungen bei der Genexpression enorm beschleunigt hat. Der Hypothalamus ist eine Schlüsselregion für Emotionen und überlebenswichtige Reaktionen. Eine Ausprägung bestimmter Gene im Hypothalamus des Hundes fiel auf, die wahrscheinlich für die Steuerung von Abläufen wie Energiekontrolle und Nahrungsaufnahme sowie bei Angst und Stress mitwirken. Jene Wölfe, die sich den Menschen näherten, zeigten wahrscheinlich weder hohe Dominanz noch besondere Scheu.
Partnerschaft Mensch – Hund
Die ältesten bisher entdeckten vollständigen Hundeschädel sind ca. 14 000 Jahre alt und wurden in Russland entdeckt. Sie unterscheiden sich von Wolfsschädeln durch die fehlende Zahnlücke, die kürzere Schnauze und den breiteren Gaumen. Das Loch in einem Schädel deutet darauf hin, dass Hunde auch als Nahrungsquelle und/oder für rituelle Handlungen genutzt wurden. Im heutigen Israel wurde in einem Grab, das ca. 12 000 Jahre alt ist, das Skelett eines Welpen (Wolf? Hund?) gefunden, auf dessen Brustkorb die Hand der Toten ruhte, was auf Indizien für eine enge emotionale Beziehung hindeutet. Früheste Bildnisse von Hunden sind auf einer Wandmalerei mit einer Jagdszene in der Türkei zu sehen, die vor 8 000 bis 9 000 Jahren entstand. In China entdeckte man in 339 Gräbern aus dem 2. Jahrh. v. Chr. 439 mitbestattete Hunde, die z. T. Bronzeglöckchen trugen. Die Römer spezialisierten sich nachweislich auf die Zucht verschiedener Hunderassen, deren Körperhöhe zwischen 18 und 72 Zentimetern variierte. Mosaike belegen ihre Funktion als Wachhunde in Pompeji. Sorgfältig bestattete Hunde nahe oder unter Türschwellen in germanischen Siedlungen belegen kultische Bedeutung. Die Vielfalt der gut 400 Hunderassen entstand erst in den vergangenen 150 Jahren.
In Österreich und der Tschechischen Republik fand man ca. 25 000 Jahre alte Wolfsschädel, die Zahnanomalien und eine geringe Schnauzenverkürzung aufwiesen, klare genetische Veränderungen, die als Domestikationsmerkmale gelten und somit auf eine frühere Verbindung von Mensch und Hund hindeuten.
Es ergibt sich die Frage, ob der Mensch vorsätzlich Wölfe domestiziert hat oder dieser sich dem Menschen selbst angeschlossen hat. Handelt es sich um „Mutualismus“ (Bündnis zum Vorteil beider Spezies) oder ein einseitiges „kommensalistisches „ Verhältnis?
Ethologen fanden heraus, dass es heute signifikante Verhaltensunterschiede zwischen zahmen Wölfen und Hunden gibt. Deshalb gehen sie davon aus, dass rangniedere Wölfe mit geringer Fluchtdistanz sich langsam dem Menschen anschlossen. Es kam zu neuen Rudeln mit bestimmten Eigenschaften. Die Siebung betraf gekoppelte psychisch-somatische Effekte, so dass die Tiere sich auch äußerlich veränderten. Sie wurden kleiner, ihre Beißwerkzeuge passten sich der Nahrungsquelle an und kamen mit weniger Gehirnvolumen aus. Es wird heute davon ausgegangen, dass die Domestikation mit der Beeinflussung von Botenstoffen wie Serotosin und Melanin einhergeht, die u. a. die Stressreaktionen regulieren aber auch die äußerlichen Merkmale der Tiere.
Bei der klassischen Evolution verursachte die Zahmheit eine erfolgreiche genetische Anpassung an die Nahrungssuche auf der Müllhalde. An diese Selbstdomestikation und spätere Feinabstimmung durch den Menschen glauben mittlerweile viele Experten.
Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass der Wolf zum Haushund wurde, denn ebenso wie der Mensch war er es gewohnt zu kooperieren um zu überleben. Die ersten Tiere fungierten als Lagerpatrouille, indem sie durch die Abfallentsorgung das Krankheitsrisiko verringerten. Sie dienten vielleicht auch als lebende Heizdecken und evtl. im Bedarfsfall als Nahrung.
Hunde haben viel von dem Reichtum wölfischen Verhaltens eingebüßt, haben sich dafür aber variablere Ausdrucksformen angeeignet. Das Bellen ist z. B. die Beibehaltung einer juvenilen Eigenschaft des Wolfes ebenso wie der Spieltrieb, die beide vom Menschen genutzt werden. Hunde haben offensichtlich wesentliche Regeln der menschlichen Gesellschaft verinnerlicht und betrachten den Menschen scheinbar als Artgenossen. Im Laufe der Zeit hat sich eine Teamarbeit zwischen beiden entwickelt, die wahrscheinlich nicht nur einseitig stattfand, sondern sie erlebten eine „Koevolution“, indem sie als Partner ihrer gemeinsamen Frühzeit entwuchsen.
Die Intelligenz des Hundes
Harry Frank untersuchte ab 1980 Wölfe und Hunde, um Intelligenzunterschiede deutlich zu machen. Er stellte fest, dass Wölfe eine hohe Kompetenz besitzen um Probleme selbständig zu lösen und Hunde dagegen gut trainierbar sind. Sie zeichnen sich durch Gefügigkeit, Gelehrigkeit und hohe Toleranz menschlicher Nähe aus und verlassen sich aber auch auf den Menschen als „Mediator“. Die ausgeprägte Kompetenz des Wolfes zur raschen Bewältigung komplexer Aufgaben hat er ebenso wie dessen unersättliche Neugierde eingebüßt. Ende des letzten Jahrhunderts wurde hierzu in Budapest weitergeforscht. Miklósi und Csányi stellten fest, dass je intensiver die Partnerschaft zwischen Mensch und Hund ist, desto eher handelt der Hund erst nach Einvernehmen mit dem Menschen und desto zögerlicher entwickelt er Eigeninitiative. Die Intelligenzunterschiede zum Wolf sind deshalb schwer zu messen, da der Hund völlig andere Talente entwickelt hat. Seine Bindung an den Menschen, die Bereitschaft ihn als Informationsquelle zu nutzen und mit ihm zu kooperieren und zu kommunizieren führt zu einer einmaligen speziesübergreifenden Partnerschaft. Die Domestikation des Hundes ist deshalb eine besondere Form der Evolution. Der natürliche Lebensraum des Hundes ist die Welt des Menschen und der Hund ist deshalb als „Modellorganismus“ auch ein Spiegelbild menschlicher Entwicklungsgeschichte. Am Max-Planck-Institut in Leipzig stellten etliche Wissenschaftler vor einigen Jahren fest, dass Hunde Gesten besser verstehen als Menschenaffen. West und Young setzen bei Hunden auch ein rudimentäres Verständnis für Zahlen voraus. Nach Adachis können Hunde aktiv eine innere Vorstellung vom Gesicht ihres Besitzers abrufen, wenn sie dessen Stimme hören und besitzen hochentwickelte kognitive Fähigkeiten. Stanley Coren geht Anfang 2005 davon aus, dass Sinneseindrücke bei Hunden wohl am ehesten als bildliche Darstellungen gespeichert werden. Dabei unterscheidet sich ihr Sehen wie auch die anderen Sinneswahrnehmungen in vielen Bereichen von dem des Menschen. Wobei eine Auflistung an dieser Stelle zu weit führen würde.(Sinneswahrnehmung des Hundes) Fiset stellte fest, dass Hunde sich bei der Orientierung primär auf egozentrische Informationen stützen, d. h. sie verfügen über ein präzises inneres Koordinatensystem, dass es ihnen ermöglicht, die Richtung und den Winkel zu einem angepeilten Ziel mit hoher Verlässlichkeit zu bestimmen. Die Psychologin Collier-Baker stellte fest, dass Hunde über Begabungen verfügen müssen, die sich deutlich von denen des Menschen unterscheiden, aber hocheffizient sind. Bei Hunden haben sich bemerkenswerte Fähigkeiten im Bereich der sozialen Kognition ausgeprägt. Sie haben eine herausragende Sensibilität gegenüber Signalen des Menschen entwickelt und können selbst feinste Hinweise der humanen Partner aufschnappen und korrekt deuten. Miklósi stellte fest, dass der hündische Verstand in entscheidenden Punkten nach anderen Kriterien arbeitet als der des Menschen. Nach Osthaus verfügen Hunde offenbar über erfolgreiche Strategien assoziativen Denkens, aber das Prinzip von Ursache und Wirkung ist ihnen wahrscheinlich fremd. Hunde benötigen gewisse kognitive Kompetenzen gar nicht, da sie ihre Alltagsprobleme in Kooperation mit dem Menschen lösen. Der Hund hat scheinbar eigenständiges logisches Denken gegen eine einzigartige Form sozialer Intelligenz eingetauscht!