Schulhündin Tinte

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Anfang der Schulhundbewegung

Viele Schüler lieben Tinte!

Tinte ist eine sechsjährige Border-Collie Hündin und ist ihrer Rasse entsprechend sehr menschenbezogen. Jeder wird von ihr freundlich und vorsichtig begrüßt, so dass sich auch ängstliche Kinder von ihr angenommen und nicht bedroht fühlen.

Obwohl Tinte ein temperamentvoller und aktiver Hund im Gelände ist, verhält sie sich in der Schule und in der Öffentlichkeit ruhig und allem Unbekannten gegenüber sehr vorsichtig. Wenn es laut ist und Türen knallen, zeigt Tinte deutliche Anzeichen von Angst und Unsicherheit.

Sie gehört der Lehrerin Frau Redshaw, die sie erstmals 2003 zu einem Schulausflug mitgenommen hatte. Auf diesem Ausflug gingen die Kinder sehr liebevoll mit Tinte um, und es kam nicht zu Streitereien unter den Kindern. Was - laut Aussage der Lehrerin - für diese sechste Integrationsklasse der Orientierungsstufe eher ungewöhnlich war. Ein Schüler hatte vor dem Ausflug sogar große Angst vor Hunden. Laut Frau Redshaw hatte dieser Schüler seine Scheu aber nach kurzer Zeit vergessen und spielte ausgelassen mit Tinte.

Nach dem Ausflug erzählte dieser Junge seiner Mutter begeistert von dem Hund, und berichtete, dass dies der schönste Schultag seines Lebens gewesen sei. Die Mutter, die zuvor einen Bericht über die Schulhündin Jule im Fernsehen gesehen hatte, kam daraufhin auf die Idee, dass auch Tinte als Schulhund die Klasse bereichern könnte. Sie gründete eine Elterninitiative und hielt Rücksprache mit allen Klasseneltern, den betroffenen Lehrern und der Schulleitung.

Bevor Tinte regelmäßig am Unterricht teilnehmen durfte, wurden gemeinsam mit den Schülern Regeln für den Umgang mit Tinte ausgearbeitet. Anfangs begleitete Tinte ihr Frauchen nur für ein paar Stunden in die Schule und blieb auch dann an ihrer Seite, wenn sie die Klasse wechselte. Später verbrachte die Hündin aber den ganzen Schultag in der sechsten Klasse, auch wenn andere Fachlehrer dort unterrichteten.

Nachdem diese Klasse die Schule verlassen hatte, traf Frau Redshaw zufällig in den Sommerferien eine Sonderpädagogin der benachbarten Förderschule und stellte ihr das Schulhund-Projekt vor.

Frau Redshaw hatte das Gefühl, dass eine kleinere Lerngruppe für Tinte stressärmer und der geringere Lärmpegel schonender wären. Deshalb begleitet Tinte seit 20 Monaten für zwei Schultage in der Woche Neuntklässler der Förderschule Lernen während des Unterrichts. Seit einem halben Jahr betreut Tinte dort noch an zwei weiteren Tagen eine sechste Klasse.

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Sie hat in beiden Klassenräumen einen festen Platz, wo sie sich gegebenenfalls zurückziehen kann. Dort soll sie nicht von den Schülern gestört oder bedrängt werden. Ein Rückzug passiert aber nach den Beobachtungen der Verfasserin nur sehr selten. Für die Versorgung und Betreuung des Tieres gibt es feste Hundedienste, die rotieren. An einem Schultag übernehmen immer zwei Kinder die Verantwortung für Tintes Wohl. Dazu gehört es frisches Wasser hinzustellen, in den Pausen mit ihr spazieren oder spielen zu gehen und sie nach dem Spaziergang gegebenenfalls sauber zu machen.

Zwischen Tinte und den Schülern findet überwiegend eine freie Interaktion statt. Die Hündin läuft frei in der Klasse herum und kann von sich aus Kontakt zu Schülern aufnehmen. Viele Schüler strecken im Vorbeigehen die Hand nach Tinte aus, um sie zu streicheln oder einfach nur zu berühren. Durch ihre Anwesenheit und ihre häufigen Aufforderungen zum Spiel lenkt sie manchmal die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich. Dabei beobachten die Schüler genau, welche Signale die Hündin gerade aussendet! Die Kinder kennen inzwischen die Zeichen der Hündin und wissen was sie möchte. Es findet so eine Schulung der genauen Beobachtungsgabe statt und das mit einer hohen intrinsischen Motivation. Ein wichtiger Teil der sozialen Erziehung - die nonverbale Kommunikation wahrzunehmen - wird hier trainiert.Durch Tintes ausgeprägten Spieltrieb fällt es ihr oft schwer sich im Unterricht völlig zurückzunehmen. Zeitweise fordert sie die Kinder immer wieder zum Spielen auf. Dies beschreiben einige Kinder aus der sechsten Klasse als störend und ablenkend. Da Tinte nicht von ihrer Besitzerin selbst eingesetzt wird, kann hier nicht von einem festen eingespielten Team gesprochen werden, das gemeinsam den Schulalltag meistert. Tinte kennt die Lehrerinnen der sechsten und neunten Klasse, seitdem sie diese Klassen begleitet.

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Beide Klassenlehrerinnen berichten, dass sich im Sozialverhalten der Kinder eine deutliche positive Veränderung zeigte. Der Hund Tinte schafft durch seine Anwesenheit eine besondere Atmosphäre in der Klasse. Die meisten Schüler waren besonders zu Beginn bemüht, Rücksicht auf den Hund zu nehmen. Die Einhaltung der vereinbarten Tinte-Regeln, die - zur Sicherheit des Hundes und der Kinder - auch in diesen beiden Klassen aufgestellt worden waren, wurden von allen Schülern unterzeichnet und es kam bis zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr selten zu Verstößen. Meistens achten die Schüler nach eigenen Angaben selbst darauf, dass die Regeln eingehalten werden und ermahnen sich gegenseitig.

Manchmal scheint es so, als hätte Tinte ein sehr gutes Gespür für die Stimmungen und Nöte der einzelnen Schüler. Neue Schüler werden schnell in die Klassengemeinschaft integriert, da der Hund sich am Anfang sehr intensiv um jeden neuen Schüler kümmert und ihn besonders häufig zum Spielen auffordert. Diese Erfahrung machte auch die Verfasserin, als sie als Neuling die Klasse regelmäßig besuchte.

Durch die Zuwendung des Hundes scheint es, als steigere sich das Selbstwertgefühl vieler Schüler und sie erhielten mehr Selbstsicherheit. Die Rücksichtnahme und Frustrationstoleranz gegenüber dem Hund, der im Unterricht die Kinder häufiger durch das Auffordern zum Spiel provoziert, ist deutlich höher als gegenüber den Mitschülern. Wobei auch hier festgestellt werden kann, dass sich die Beziehung zum Tier individuell gestaltet. Es gibt Kinder in der Klasse, die sehr einfühlsam und liebevoll mit dem Hund umgehen, andere Kinder hingegen wirken genervt und sind nicht bereit, den Hundedienst zu übernehmen. Sie sehen die Hündin eigenen Angaben zufolge mehr als Last.

Die Kinder, die den Hundedienst übernommen haben, dürfen mit Tinte das Schulgelände verlassen und gehen mit ihr spazieren oder spielen mit ihr Ball. Für den Fall, dass der Hund sein Geschäft verrichtet, sind sie verpflichtet, den Kot zu entfernen. Dieses stellt für viele Kinder eine große Überwindung dar. So können sie üben, mit ihrem Ekelgefühl umgehen zu lernen.

Wenn es draußen regnet oder Tinte in den Bach gesprungen ist, müssen die "Hundedienst-Kinder" Tinte sauber machen. Dabei rubbeln sie die Hündin mit einem Handtuch trocken und haben so engen körperlichen Kontakt zu ihr. Einige Kinder scheinen dies sehr zu mögen und nehmen sich dafür viel Zeit.

Nach Unterrichtsende geht Tinte mit ins Lehrerzimmer, wo sie dann auf die Lehrerin wartet, die sie nach Hause fährt. Auch das Lehrerkollegium freut sich sichtbar über die Anwesenheit der Hündin und einige Lehrer haben Hundeleckerlis in der Tasche, mit denen sie Tinte gerne verwöhnen.

Dieser Bericht wurde von der Studentin Franzi Göing im Rahmen ihrer Examensarbeit verfasst!

Anmerkungen: Da Tinte nicht mehr von ihrer Besitzerin eingesetzt wird und von Kollegen betreut wird, die in der Tiergestützten Pädagogik nicht ausgebildet sind, ergeben sich Gefahren für Schüler und Hund --> Team Lehrer-Hund --> Stress --> Stresssymptome --> Stressfaktoren in der Schule